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Es war Selbstmord.
Jennifer lehnt alles ab, was ihr Bewusstein verändern könnte
- ein Glas Wein ja, mehr aber nicht. Sie fühlt sich verpflichtet,
ein diszipliniertes Leben zu führen, vernünftig zu handeln,
hübsch zu sein, stets heiter zu sein (nicht nur so zu tun), anderen
zu helfen, eine perfekte Liebhaberin zu sein. Ihre Maßstäbe
hat sie nicht aufgrund eigener Erfahrungen entwickelt, sie sind ihr anerzogen
worden. Jennifer ist zu behütet aufgewachsen, sie hat sich nicht
ausprobiert. Darum weiß sie später nicht recht, was ihre Persönlichkeit
ausmacht. In ihrem Abschiedsbrief schreibt sie, dass sie das Gefühl
hat, die Kontrolle über ihre Gedanken zu verlieren. Meine Gedanken
gingen ihrem Denken nach und taten, was sie tun mußten, und ich
stand als unbeteiligte Zeugin daneben. Etwas schlichter lässt
es sich auch so ausdrücken: Sie hat das Gefühl, nicht ihre eigenen
Gedanken zu haben.
Erstaunlicherweise gibt sie sich, obwohl sie sich selbst so viel Strenge
auferlegt, anderen gegenüber tolerant. Jennifer scheint sich nicht
zu trauen, anderen Vorwürfe zu machen. Als Naturwissenschaftlerin
neigt sie eher zu Präparaten, als zur Psychotherapie. Sie probiert
die Pillen von Phyllida aus, weil sie sich ihrem Hausarzt nicht anvertrauen
möchte, der ihr Problem ihrem Vater weitersagen könnte, und
vermutlich traut sie sich auch nicht, einen anderen Arzt aufzusuchen,
weil sie damit ihren Hausarzt vor den Kopf stoßen könnte. Sie
traut sich nicht, Erwartungen zu enttäuschen vor lauter Furcht, man
werde ihr Liebe und Anerkennung entziehen. Jennifer traut sich nicht,
nicht perfekt zu sein, sie ist gefallsüchtig.
Sie bricht aus ihrem Perfektionismus aus, indem sie ihrem Arbeitgeber
falsche Auswertungen liefert (sie macht es perfekt, indem sie genau die
richtigen Parameter falsch einstellt). Sie gibt zu (gibt vor), Drogen
zu nehmen. Sie flirtet ein wenig mit einem Schürzenjäger und
kommt sich vermutlich ziemlich verdorben dabei vor. Sie provoziert Vorwürfe.
Doch Vorwürfe hält sie gar nicht aus. Mit diesen lächerlichen
Befreiungsschlägen schlägt sie sich nur selbst, sie bewirft
sich mit Schmutz und erträgt keinen Staub.
Immer perfekt sein, will sie nicht mehr, die Ausbruchsversuche rückgängig
machen, kann sie nicht mehr, und diese Situation einfach aushalten, dazu
ist sie nicht in der Lage. Aber genau das wäre es gewesen, was sie
hätte lernen müssen. Die Pillen von Phyllida verleihen ihrem
Problem das nötige Gewicht. Sie kann nicht mit einem Makel leben.
Sie wollte etwas eigenes tun ohne daran zu denken, ob es anderen gefällt
oder nicht, und weil sie die Konsequenzen nicht ertragen kann, weicht
sie ins Jenseits aus. Es tut mir leid, es tut mir leid, es tut mir leid,
... Es tut ihr nicht wirklich leid, sie versucht nur die Vorwürfe
abzublocken, die man ihr hinterher machen wird.
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Es war Mord. Trader war's.
1. Es ist nicht vorstellbar, dass Trader 8 Jahre mit Jennifer zusammen
war, ohne zu bemerken, wie sie in eine lebensbedrohliche Krise gerät.
So etwas kann man sich vielleicht vorstellen bei einem älteren
Ehepaar, dass seit 8 Jahren nebeneinanderher lebt und sich nichts mehr
zu sagen hat. Trader behauptet jedoch für seine Beziehung mit Jennifer
genau das Gegenteil.
2. Trader weiß, wie man Trauer glaubwürdig darstellt, und
Mike fällt auf sein gutes Benehmen herein. Ihre Stärken kann
sie in einfacheren Schichten der Gesellschaft beweisen, bei dem feinsinnigen
Trader versagt sie. Sie verliebt sich sogar ein wenig in ihn, weil er
so ganz anders wie ihre eigenen Liebhaber ist. Sie lässt ihm nämlich
einiges durchgehen:
- Sie glaubt ihm, dass er sich wunderbar mit Jennifer verstanden hat,
und zwar so gut, dass sie am liebsten miteinander allein waren. Sie
glaubt ihm aber auch, dass er keine Ahnung von Jennifers Krise hatte.
- Sie lässt die Schrift auf dem Abschiedsbrief nicht untersuchen,
von wem und wann er geschrieben wurde. Sie beschwert sich auch nicht,
dass Trader ihn ihr erst so spät zeigt. Trader hatte also genug
Zeit, sich einen Brief auszudenken, den Mike ihm abnehmen würde,
jedenfalls keinen 0/8/15-Abschiedsbrief, denn dann wäre Mike vielleicht
doch misstrauisch geworden.
- Sie sorgt nicht dafür, dass die Wohnung konfisziert wird. Trader
hat nach wie vor Zugang. Vermutlich hat er das Selbstmordbuch selbst
gekauft und es dann ein wenig zerlesen. Mike lässt nicht prüfen,
wie alt das Buch ist und wie alt die angeblich von Jennifer stammenden
Eintragungen sind.
- Sie beharrt nicht darauf, dass er ihr erklärt, warum er an jenem
Tag so fertig das Haus verlassen hat, und als er später die Erklärung
nachschiebt, sein Schnürsenkel sei gerissen und er sei mit der
Jackentasche an der Türklinke hängengeblieben, glaubt sie
ihm auch das. Das kleine Mädchen kann doch nicht der einzige Mensch
gewesen sein, der Trader an jenem Tag gesehen hat. Vielleicht war Trader
ja auch schon vorher ein wenig anders als sonst? Mike kümmert sich
nicht darum.
3. Warum erkundigt sie sich nicht bei anderen, was sie für einen
Eindruck von Trader haben? Sie scheint es gar nicht so genau wissen
zu wollen.
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Für den Roman ist es irrelevant, ob Jennifer sich
selbst getötet hat oder ermordet wurde.
Der Autor braucht diese Figuren aus der Oberschicht nur als Gegensatz
zu Mike, der seine ganze Sympathie gehört. Mike ist trotz ihrer nicht
geringen Probleme eine starke Figur. Sie ist nicht nur Bulle, wie sie
sagt, sondern längst über ihren Beruf hinausgewachsen, Lebenserfahrung
und Menschenkenntnis machen ihre Klugheit aus, nicht Belesenheit. Mike
kennt Jennifers Probleme nach ein paar Tagen Untersuchung besser als ihr
Vater und - falls Trader sie nicht umgebracht hat - weiß sie mindestens
genausoviel über Jennifers mögliche Selbstmordmotive wie der
hochgebildete, langjährige Lebenspartner.
Der Autor arbeitet mit einer ähnlichen Methode wie Mike. Er sammelt
Hinweise für Konflikte, schließt von Äußerlichkeiten
auf mögliche Bedeutungen und bezeichnet sie mit einer besonderen
Sprache. Die Sprüche auf der Straße sind ihm wichtiger als
schöngeistige Reden in den Salons. Seine Sympathie gehört denjenigen,
die ihre Konflikte nicht nur im Kopf austragen, denn sie liefern den Stoff
für ihn als Schriftsteller. Der Fall interessiert ihn nur soweit,
wie er seine Untersuchung schildern kann, denn die Recherche, der genaue
Blick, das ist auch die Voraussetzung für sein Schreiben. Die Lösung
des Falles würde nur ablenken, darum lässt sie der Autor weg,
ihm kommt es darauf an zu zeigen, dass Erfahrung wichtiger ist als Bildung.
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Keine Antwort.
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3. Haben Sie das Buch zu Ende gelesen?
4. Würden Sie das Buch weiterempfehlen?