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Tom Weinreich traktiert auf seinen Rundgängen Kaninchen und Denkmäler
mit Schneebällen, weil er wütend ist auf die Welt, in der er
als Wissenschaftler gescheitert ist. Verletzt und einsam zieht er sich
in seine Gedankenwelt zurück und genießt dort seinen Größenwahnsinn
und seine Rachegelüste, aber außer als Taxifahrer bewegt er
nichts mehr. Tom hat Hunger nach Anerkennung und Liebe (deswegen hat er
auch viel Durst), aber wenig Hoffnung. Er ist so in seiner Gedankenwelt
gefangen, dass er kaum noch die Realität wahrnimmt. Seine Spaziergänge
sind Rundgänge im Schneckenhaus.
Eine Woche lang wird er von Mascha beobachtet, ohne es zu bemerken, bis
sie die Initiative ergreift und ihn anspricht. Sie sieht in ihm einen
lustigen Denker, doch die Tiergeschichten, die er ihr erzählt, zeugen
eher von verdrängten Aggressionen als von Humor. Mascha ist wie für
ihn gemacht: eine Frau, die ihm nichts abverlangt und ihm Mut macht, eine
Kritikerin, die ihn lobt, eine Intellektuelle, die sein Denken bewundert,
eine Gesprächspartnerin, die immer die passenden Worte findet und
weiß, wann sie schweigen muss. Zudem hat sie den gleichen Hunger
wie er und die gleiche Sensibilität.
Die Gedanken sind frei, aber sie befreien nicht. Der Phantast beschränkt
sich auf das Denken, um nicht verletzt zu werden, und die Kritikerin möchte
das Denken vermeiden, um sich nicht selbst zu verletzen. Das Tragische
ist, dass man in beiden Fällen Schaden nimmt, da man sich weder die
Welt wunschdenken, noch seine Wünsche an die Welt unterdrücken
kann. Aus diesem Dilemma eine vergnügliche Geschichte zu schreiben,
zeugt von Humor.
Bewußtsein ist ein fortwährender sprachlicher, rekursiver
und dadurch dialogischer Prozeß der Selbstbeschreibung und also
Selbsterzeugung, der in Bewußtsein, und dessen Abbruch in Tod oder
Wahnsinn resultiert. Der Fehler in Weinreichs Kernthese ist, dass
das Bewusstsein nicht nur ein rekursiver Prozess, sondern ein dynamisches
System ist, und zwar ein offenes. Ein geschlossenes, dynamisches System
verzehrt sich selbst, weil es keine Nahrung von außen erhält.
Das Bewusstsein malt (und übermalt) ein Bild von sich mit den Formen
und Farben, die es außer sich vorfindet. Es entwickelt sich durch
den Austausch mit der Welt. Dagegen ist ein rekursiver Prozess nur eine
Folge von Rundgängen, bei der jeder Rundgang sich dadurch ändert,
dass er das Ergebnis des vorherigen einbezieht. (Die Vielfalt der von
einem Computerprogramm erzeugten Bilder entsteht nicht durch Rekursion,
sondern durch die Zufallszahlen, mit denen die rekursiven Funktionen des
Programms "gefüttert" werden.)
Der Autor hat einen sehr intelligenten Roman geschrieben. Für Weinreich
war es nur als Rekurs gedacht, doch hat er Ein Rekurs durchgestrichen
und stattdessen Eine Rekursion unter den Titel gesetzt. - Wenn
Sie nicht wissen warum, finden Sie die Lösung vielleicht in einer
der Antworten im Fragebogen zu diesem Buch.
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