| HOME | |
|
Schöne Aussicht, Freiruh, Niegedacht, Ruhehort, welch kunstvolle
Namen für einfache Häuser! Nur die Bedeutung von Freiruh erklärt
der Autor, nämlich "frei von Ruhe". Doch auch die anderen
Hausnamen lassen sich eigentlich nur zynisch deuten: Eine "schöne
Aussicht" haben die Beumers, nachdem die Nazis das Nachbarhaus niedergebrannt
haben! Und "nie gedacht" hätte man von den Kortewegs, dass
sie den Steenwijks eine Leiche vor die Haustür legen würden.
Das Haus Ruhehort dient zwar drei Juden als Zuflucht, sozusagen als "Hort",
wo sie "Ruhe" vor den Nazis haben, aber natürlich herrscht
im Haus der Aarts nicht Ruhe sondern Furcht, insbesondere die Furcht,
nicht in Ruhe gelassen zu werden. Auch Anton Steenwijk, der an allem völlig unschuldig ist, verdrängt,
was war. Die Verdrängung ist ja nicht nur eine Folge von Schuldgefühlen,
auch leidvolle Erfahrung will begraben sein. Auch Anton versucht, die
Vergangenheit ruhen zu lassen. Aber die Fragen ruhen nicht, sie bohren
Löcher in die Vergangenheit. Stoßen sie dabei ins Leere, dann
füllen Vorstellungen und Albträume die Wissenslücken. Das
Bild lässt sich nicht vermeiden, was fehlt oder unstimmig ist, ersetzt
die Phantasie. Aber die Phantasie ersetzt das Wissen nicht, das Bild bleibt
zweifelhaft, die Fragen bohren weiter. Am Ende legt man den Roman befriedigt beiseite wie einen Krimi. Der Fall
ist gelöst. Was fehlt, kann der Roman nicht leisten, ohne ins Unermessliche
auszuufern: die Aufarbeitung der Schuld der an diesem Fall beteiligten Nazis.
|