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Dino Schullerus, der in Rumänien Dinu Matache hieß, klärt
den plötzlichen Tod seiner ehemaligen Geliebten Erika auf. Er schreibt
einen Bericht über den Fall, wie er das in Rumänien für
die Securitate gemacht hat, nur dass er den Bericht diesmal nicht einfach
abgibt und vergisst, sondern an den Intellektuellen Richartz verschickt.
Klaus Richartz, der in Rumänien Dissident war, ist persönlich
betroffen, da er die Personen aus der eigenen Vergangenheit kennt. Er
erinnert sich, stellt Überlegungen an und schreibt einen Kommentar
dazu, erkennt aber auch, dass die Vergangenheit seine Gegenwart vergiftet,
und schickt das Manuskript an seinen Schüler Christian, den Sohn
von Dinu. Christian Schullerus fängt an, sich für Rumänien
zu interessieren, als er aus der elterlichen Wohnung ausgezogen ist. Seinen
Vater bezeichnet er etwas abfällig als der Rumäne, weil
er dessen Ansichten ablehnt. Als er liest, dass sein Vater bei der Securitate
war, wird er nachdenklich, zu nachdenklich für seine selbstbezogene
Freundin Julia, die er dadurch verliert. Auch er ergänzt den Bericht
durch eigene Überlegungen.
Warum ist die Konstruktion des Romans so kompliziert? Warum schreibt Dinu,
der den Tod von Erika aus privaten Gründen aufklärt, überhaupt
einen Bericht? Um sich Klarheit zu verschaffen oder um sein Wissen
zu hinterlassen, falls ihm etwas passiert? Oder einfach nur, weil
er es als ehemaliges Mitglied der Securitate so gewohnt ist? Warum schickt
er den Bericht an Richartz? Will er seine Ratlosigkeit mit dem rumänischen
Intellektuellen teilen, wie Richartz vermutet? Oder möchte er auf
diese Weise um Verständnis bitten für seine Spitzeltätigkeit
in Rumänien? Weshalb besprechen die beiden die leidige Angelegenheit
nicht persönlich? Warum leitet Richartz stattdessen das Manuskript
ausgerechnet an Christian weiter? Der Verdacht liegt nahe, dass er sich
auf diese Weise am Vater rächen will.
Hier geht es nicht um Rollenverteilung, um gute oder schlechte Charaktereigenschaften,
um die Mittel bei der Verfolgung eigener Ziele, es geht um vergiftete
Beziehungen, um Unversöhnlichkeit. Alle sind schmerzlich miteinander
verbunden, niemand kann sich entziehen, niemand ist voll verantwortlich
und niemand ganz unschuldig. Das Manuskript beweist, dass die Vergangenheit
in die Gegenwart hineinwirkt, auch die Weitergabe verdeutlicht das. Das
Gift der Diktatur, eine Melange aus Bespitzelung, Misstrauen, Verrat,
Lüge, Furcht und Hass entfaltet seine Wirkung auch noch, als das
System abgeschafft, die Produktion des Giftes offiziell eingestellt ist.
Dinu nach einem Gespräch mit dem Securitatemann Onescu: Jetzt
fängt das alles wieder an. Schon die Fragen sagen mir, daß
ein Gespräch zu diesem Thema nur die Form des Mißtrauens annehmen
kann. Die Macht der Geheimdienste besteht im Zerstören der Gefühle,
auch in ihrem rückwirkenden Zerstören. Diese Macht ist ewig.
Die Zukunft liefert Wunschbilder, kein Selbstbild. Die Vergangenheit
prägt das Ego, dort findet man Halt. Was aber, wenn die Vergangenheit
aus Haltlosigkeit besteht? Wenn der Charakter gebrochen, das Individuelle
verleugnet, die Persönlichkeit sich selbst entfremdet wurde? Dinu
Matache ist von einem Idealisten, der ein von Russland unabhängiges
Rumänien wollte, zu einem Beamten des Nationalismus geworden, intolerant
gegenüber Minderheiten, autoritär gegenüber seinen Kindern.
Er schiebt die eigene Verantwortlichkeit auf die Macht, die ihm Bevorzugung
gewährt. Halt findet er nur bei seiner Frau Lotte, die nicht fragt,
was er macht, die es weiß und dazu schweigt, und die für ihn
entscheidet, wohin die Reise geht.
Kaum glaubt man, der plötzliche Tod von Erika Osthoff sei aufgeklärt,
stirbt Dieter Osthoff auf der Autobahn. Ein Unfall? Ein Racheakt Dinus?
Oder Onescus Beseitigung eines Zeugen? Steckt Martin dahinter, der als
Dissident in einer KFZ-Werkstatt arbeiten musste und sich nun im Westen
dem Autohandel zugewandt hat? Die Geschichte wird immer undurchsichtiger.
Hier wird kein Mörder gefunden, der Krimi bleibt stecken. Der Leser,
der eine Auflösung erwartet hat, muss aufgeben.
Auch Christian gibt auf, er will das Manuskript an Richartz zurückschicken.
Alles andere soll Dinu mit sich selbst ausmachen. Mit sich und seinen
Ex-Kumpels. Als ob das so einfach wäre! Der Roman verdeutlicht
den Widerspruch. Einerseits stellt er die Forderung auf, das in der Tiefe
lauernde Ungeheuer zu vergessen und andrerseits zeigt er die Unmöglichkeit,
seinen Greifarmen zu entkommen.
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